Wer ist eigentlich dieser neue Nachbar in Waldstadt? Wer ist Merckle?
In den vergangenen Tagen und Wochen geistert immer wieder ein Name durch die lokale Presse. Auch in Diskussionen von Politikern liegt er derzeit öfter in der Luft. Aber wissen wir Zossener eigentlich schon, von wem da eigentlich die Rede ist? Wer ist diese sagenumwobene Merckle-Gruppe?
Ich persönlich freue mich sehr, dass es der Stadt Zossen gelungen ist, so attraktiv auf ein Unternehmen zu wirken, dass es andere Standorte – die tief in der Tradition des Unternehmens standen – aufgibt und nach Zossen, in die ehemalige Kommandantenvilla in der Waldstadt/Wünsdorf zieht. Und das gleich mit einer ganzen Firmengruppe von 72 Unternehmen.
Aber gleichzeitig wundere ich mich über den Elan so manches Lokal-Redakteurs (mit bisher unbekannt), der seine Leser und insbesondere die Politiker der Stadt in einem Artikel und Kommentar quasi dazu auffordert, bei dieser Gruppe als Bittsteller aufzutreten, um sich eigene Wunschträume der kommunalen Entwicklung sponsern zu lassen. Ob das die richtige Art ist, mit neuen “Nachbarn” umzugehen, sollte jeder für sich entscheiden. Aber die Steilvorlage kam nicht von ungefähr. Auch verschiedenste Kommunalpolitiker rechnen schon jetzt mit einer fiktiven Steigerung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer und planen schon, wie sie dieses Geld einsetzen wollen. Andere Stadtverordnete, wie beispielsweise Hermann Kühnapfel (CDU) warnen davor, vorschnell Luftschlösser zu bauen.
Eins wurde bei der Berichterstattung nämlich bisher etwas vernachlässigt. Die Unternehmensgruppe war 2008/2009 in eine extreme (Milliarden-schwere) Schieflage geraten, die letztendlich dazu führte, dass sogar um Staatshilfen ersucht wurde, um die Gruppe – mit ca. 100.000 Beschäftigten – vor dem Aus und der Insolvenz zu retten. Großen Anteil daran sollen Spekulations-Verluste gehabt haben. Adolf Merckle, der ehemalige Patriarch der Gruppe, suchte schlussendlich sogar sein Ende, indem er sich selbst das Leben nahm. Als sein Sohn Ludwig Merckle danach die Geschicke der Gruppe übernahm, glaubte dieser selbst nicht mehr an eine Erhaltung des Konzerns. Aber er konnte sich selbst eines besseren belehren und darf nun inzwischen – nach einigen sehr geschickten und erfolgreichen Refinanzierungen, Veräußerungen (zuletzt Ratiopharm) und Umstrukturierungen – wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Viele Experten sehen den Konzern schon gerettet. Einen schönen Überblick über die Entwicklung des Unternehmens und einen Teil seiner Geschichte gibt dieser Artikel der WELT.


Es sei daran erinnert, dass diese Merckle Unternehmungsgruppe niemals den Weg nach Zossen / Waldstadt gefunden hätte, wenn sich diejenigen, die jetzt schon die Gelder verplanen, Jahr für Jahr mit ihrer Forderung nach einer massiven Erhöhung des Hebesatzes der Gewerbesteuer bis hin zu 340% durchgesetzt hätten. Die Unternehmensleitung hat unmißverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der niedrige Hebesatz von 200% das entscheidende Kriterium für diesen Standortwechsel gewesen ist. Noch nicht einmal ein Wort der Anerkennung für die Stadtverwaltung kam von den Gegnern der Bürgermeisterin für diesen Deal. Wo hier die Kompetenz für vernünftige Wirtschaftspolitik liegt, erklärt sich wohl von selbst. Man erinnere sich: Die PDS und dann DIE LINKE hat in dieser Stadt Zossen seit 2003 keinem Haushalt zugestimmt, jedes Jahr wurden Tricks, Mauscheleien und Luftbuchungen als Gründe genannt, dies nicht zu tun und nun greift man in die “Vollen” . Das Geld anderer Menschen auszugeben ist halt das Beste, was diese Politikrichtung kann. Reichtum für ALLE durch Enteignung! diesen Weg zeigt ja das neue Grundsatzprogramm der Partei auf. Herzlichen Glückwunsch SPD zu solchen Partnern!
Der Anteil der Stadt zur Entscheidungsfindung und Ansiedlung sollte meiner Meinung nach nicht überbewertet werden. Den niedrigen Hebesatz bieten auch andere und die Wirtschaftspolitikspezialisten sehe ich auch nicht in unserer Stadtversammlung. Daher gartuliere ich lieber den Zossenern, als der Bürgermeisterin einen Orden zu verleihen.
Kategorie: Glück oder ‘Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.’
Oh! Ich glaube, ich habe mich mit..
ein wenig ungeschickt ausgedrückt. Damit war nicht alleine die Stadtverwaltung als Institution gemeint, sondern die “Summe der Beweggründe, die für Zossen sprachen und irgendwie in Zossen (egal, ob in Verwaltung, SVV, Konditionen, Bürgern, Infrastruktur, Gewerbetreibende, etc.) begründet sind”
Die Firma hat sich hier angesiedelt, weil es neben anderen Städten mit niedrigen Hebesätzen der nächstgelegene zum alten Standort war.
Das war kein Trick der Stadtverwaltung oder von Frau Schreiber. Dass hier plötzlich Millionen eingefahren werden sollen als Gewerbesteuer bleibt ebenso abzuwarten, da wie schon oben steht, die Firma nicht hergekommen ist,w eil es ihr so gut geht, sondern genau aus dem anderen Grund. Sie hat zwar einen nicht geringen Anteil besser verkauft bekommen als erwartet, dass führt aber nicht automatisch (und erst recht nicht in diesem Jahr!) zu Millionen Einnahmen durch Zossen.
Merckle oder VEM ist bekannt für seine Sparsamkeitspolitik und ich denke, dass hier kaum großes Sponsoring zu holen sein wird.
Gegen den Haushalt zu stimmen hat übrigens wie immer denselben Grund: keine klaren Fakten. Niemand weiß, wie bestimmmte Zahlen zustande kommen und Einsichten werden seit Jahren nicht ausreichend gewährt!
Schade und sehr deprimierend nur, dass Frau Schreiber wieder gelungen ist, offiziell zu glänzen und einen solchen “Schreiberwerbeartikel” in der Zeitung zu platzieren. Denn die Gegenargumente und Dämpfer, die hier zu lesen sind, werden die wenigsten mitbekommen und sich wieder blenden lassen. Hut ab, wie sie das jedesmal schafft!
Komisch. Den ersten “Schreiber-Werbe-Artikel” mit Bezug auf das Thema habe ich erst hier in einem Kommentar gelesen…
In der Zeitung kam es mir eigentlich nicht so vor. Ganz im Gegenteil sogar. Das einzige, was hervorgehoben wurde – und in diesem Fall definitiv passt – war Schreibers Einsatz für die Beibehaltung des Gewerbesteuer-Hebesatzes. Einige leidvolle Diskussionen zu dem Thema habe ich live miterlebt und kann dies unbefangen bestätigen. Aber eigentlich ist ja auch völlig “Wurscht”, wer konkret “verantwortlich” ist. Dass eine solche Ansiedlung PR-technisch – im Interesse des Standort-Marketing “ausgeschlachtet” werden muss, ist mir aber auch klar. Viel schlimmer wäre es, wenn KEIN Standort-Marketing betrieben wird. Und solange es dazu keine separate Gesellschaft in kommunaler Hand gibt, ist nun mal die Verwaltung dafür zuständig.
Man sollte die Ansiedlung wirklich nicht überbewerten. Man bedenke auch, dass die Gruppe derzeit nicht wirklich einen guten Ruf in der Presse- und geschäftswelt hat.Und nun mal ein Beispiel zum Thema Steuern:
Für 1.050.000 € Steuern durch Merckle müssten 15.000.000 € Gewinn erzielt werden. Von dieser einen Million gehen dann noch die Kreis- und Landesumlagen ab. Da bleibt dann auch nicht mehr so viel übrig. Und seien wir mal ehrlich, Merckle ist in letzter Zeit nicht gerade für Erträge bekannt. Und ich glaube nicht, dass ratiofarm noch lange in der Gruppe ist.
Diese Einschätzung von Herrn Domann, ausgewiesen als “Spitzenpolitiker” der FDP Zossen/Mellensee, zu lesen, ist doch schon etwas befremdlich. Erstens ist diese Firmengruppe doch das Hauptklientel, neben der Hotelerie,seiner Partei FDP und zweitens scheint er nicht mehr auf dem laufenden zu sein: Wer am 2.04.2010 schreibt, er glaube nicht an einen längeren Verbleib von ratiopharm in der Gruppe, dem sei gesagt ratiopharm ist bereits vor Wochen für 3,7 Mrd € an einen israelischen Pharmakonzern verkauft worden. Was sind da schon 15.000.000 € Gewinn aus dem Rechenbeispiel für 1.050.000€ Steuern.Wirtschaftspolkitik scheint also nicht so das Hauptaugenmerk des Herrn Domann zu sein, eher schon die Schul, Hort und Kitapolitik von SPD Linke und VuB. “Schuster bleib`bei deinen Leisten” heißt ein schönes, deutsches Sprichwort.
Frohe Ostern
Lieber unfehlbarer Herr Böhm,
erstens habe ich nicht als “Spitzenpolitiker” geschrieben, zweitens habe ich schon mitbekommen, dass israelische Investoren Interesse an ratiofarm bekundet haben, nur ist leider der Verkauf an mir vorbei gegangen… bin halt doch nur ein Mensch… tut mir leid Herr Böhm. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch keine Rolle spielt. Mein Rechenbeispiel sollte nur verdeutlichen, dass eine Menge Ertrag anfallen muss, damit die Stadt was davon hat. Und Merckle ist derzeit nicht gerade stark auf der Ertragsseite. Sicherlich freut es mich, dass sich Unternehmen ansiedeln. Es stärkt unsere Stadt und unsere Region. Dennoch sollte man nicht eine Ansiedlung überbewerten, sondern zusehen, dass noch mehr Firmen dem Beispiel folgen.
Ich verstehe Sie garnicht Herr Böhm. Ich habe nicht versucht die Politik schlecht zu reden und Sie auch nicht angegriffen, ich fordere Sie deshalb auf sachlich zu bleiben und nicht immer auf jeden loszugehen nur weil er eine andere Meinung vertritt bzw. vielleicht auch mal ein Fehler gemacht hat. Ist Ihnen sicherlich auch schonmal passiert, oder nicht?
Grüße
Manuel Domann
“privat”
PS: Ich bin glaube ich politisch noch nicht in Sachen Schul-,Hort und KiTapolitik aufgetreten. Und die Politik die sie ansprachen habe ich für die Eltern gemacht und nicht für die SPD, Linke, VUB das sei hier nochmal betont.
Ein wenig betriebswirtschaftliche Nachhilfe gebe ich gerne: Ein Verkaufserlös, in welcher Höhe auch immer, ist nicht gleich Gewinn. Er stellt eine Größe bei der Gewinnberechnung dar. Wenn also Herr Böhm den erforderlichen Sachverstand und einen weitreichenden Einblick in die Geschäftsbücher der Firma Merckle hat, freuen wir alle uns in Zossen sicherlich.